Vor fast 400 Jahren tobte nur wenige Kilometer nördlich von Seesen zwischen Lutter und Hahausen eine der blutigsten Schlachten des gesamten Krieges. Das gut dokumentierte Gemetzel zwischen dem protestantischen Heer unter dem Dänenkönig Christian IV. und den Truppen der Katholischen Liga unter Tilly war das vorläufige Ende einer wochenlangen gegenseitigen Belauerung, die die gesamte Region in Angst, Schrecken und Elend versetzte.

Die Heerführer der bei Lutter aufeinandertreffenden Kriegsparteien waren einer offenen Feldschlacht während des Frühjahrs 1626 so lange wie möglich ausgewichen. Denn die Heere wurden nicht nur von den Herrschenden, sondern auch aus-privaten Quellen finanziert. Deshalb sollten die Verluste möglichst geringgehalten werden. Um die Trosse überhaupt zu versorgen und die Soldaten zu bezahlen, musste durch Plünderungen laufend Beute gemacht werden. Die Heere bestanden zumeist aus bunt zusammengewürfelten Haufen von Söldnern, die weder über eine besondere militärische Ausbildung verfügten noch sich übergeordneten politischen und religiösen Kriegszielen verpflichtet fühlten.

In den Wochen vor der großen Schlacht hatten sich die Truppen der Katholischen Liga zunächst aus der Gegend um Alfeld nach Paderborn zurückgezogen, um wenig später wieder in den südniedersächsischen Raum einzufallen. Am 9. Juni wurde Münden von Tillys Heer beschossen und ein Großteil der Einwohner brutal umgebracht - ein Ereignis, das als „Blutpfingsten“ in die Geschichte der Stadt einging. Das Heer zog danach weiter nach Göttingen. Nach siebenwöchiger Belagerung, in deren Verlauf die Leine umgeleitet wurde, um die Bevölkerung von der Wasserversorgung abzuschneiden, wurde Göttingen am 2. August eingenommen.

Von protestantischer Seite bekam die Stadt keine Hilfe. Das protestantische Heer griff erst drei Wochen später ein, als die katholischen Truppen am 21. August vor Northeim standen. Nachdem Tillys ins Eichsfeld ausgewichen war, stellten die Soldaten des Niedersächsischen Reichskreises dem kaiserlichen Tross zwar nach, wichen aber schon bald wieder nach Westen aus, um nun wiederum von den Kaiserlichen verfolgt zu werden. Beide Heere hinterließen eine Schneise der Verwüstung. Die Dörfer des Vorharzes wurden geplündert oder gebrandschatzt. Wer sich nicht rechtzeitig in den Wäldern versteckte, wurde umgebracht. Eine Woche später kam es ein paar Kilometer nördlich von Seesen bei Hahausen dann tatsächlich zur entscheidenden Auseinandersetzung zwischen den kaiserlichen Truppen der Katholischen Liga und dem von Dänemark unterstützten Heer des Niedersächsischen Kreises, die als Die Schlacht bei Lutter am Barenberge in die Geschichte einging.

Gut 40.000 Soldaten auf beiden Seiten trafen am 27. August 1626 zwischen Lutter und Seesen aufeinander. Der Däne Christian IV. als Heerführer des Niedersächsischen Kreises war mit seinem Tross von Süden gekommen und bis hierher ausgewichen, als ihn das Heer der Katholischen Liga unter Führung Graf Tillys stellte. Tillys Truppen schlugen Dänen und Niedersachsen vernichtend. Die Schlacht war der Anfang vom Ende des dänisch-niedersächsischen Teilkrieges. Mit dem Frieden von Lübeck 1629 schied Dänemark aus dem Dreißigjährigen Krieg aus. In der Schlacht starben nach unterschiedlichen Angaben bis zu 8.000 Soldaten. Im Anschluss an den Kampf wurden auch Kämpfer aus dem Heer des unterlegenen Dänenkönigs, die auf der Flucht waren, von den doch eigentlich ebenfalls zur protestantischen Seite gehörenden Dorfbewohnern getötet und ausgeplündert. Der Zivilbevölkerung war es egal, welcher Partei oder welcher Konfession die Flüchtenden angehörten. Sie wollten Rache für ihre verwüsteten Dörfer und machten Beute bei den Getöteten.

Die Folgen des Krieges

Auch ohne eine weitere Schlacht dieses Ausmaßes hielten die Kriegsgräuel in Südniedersachsen wegen der durchziehenden Söldnerheere bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges an. Bei Ende des Krieges war die Einwohnerzahl in der gesamten Region um die Hälfte dezimiert worden. Da zudem die Felder und die Siedlungen stark verwüstet worden waren, war Südniedersachsen in seiner Entwicklung i um Jahrzehnte zurückgeworfen worden.