Erste Schulen im Mittelalter

Die ersten Schulen im Mittelalter entwickelten sich im Bereich der Kirchen. Klosterschulen gab es beispielsweise in Bursfelde, Amelungsborn, Walkenried oder Gandersheim. Allein in Einbeck gab es Fünf Klöster, in denen auch unterrichtet wurde, Viele dieser kirchlichen Einrichtungen verloren aber relativ schnell wieder an Bedeutung und konnten sich wie etwa Walkenried oder Amelungsborn erst in der frühen Neuzeit als wichtige Lateinschulen einen Namen machen. Klöster übernahmen die Aufgabe, die Söhne adliger Familien - in Gandersheim auch die Töchter - auszubilden. Unterrichtet wurde Theologie in Iateinischer Sprache, aber auch die sieben freien Künste, Musik, Arithmetik, Geometrie, Astronomie, Grammatik, Rhetorik und Dialektik. Kaufleute, Handwerker oder Bauern und deren Kinder konnten im Mittelalter meist nicht lesen und schreiben. Erst im 13. und 14. Jahrhundert bildeten sich aus Italien kommend auch in den Städten sogenannte Rats- oder Stadtschulen, in deren weniger theologische Texte als das kaufmännische Rüstzeug und Rechnen im Vordergrund standen, Sie lösten die Klosterschulen mehr und mehr ab. Stadt- und Realschulen. waren aber ebenso wie die Klosterschulen nur vermögenden (männlichen) Bürgern und Adligen vorbehalten.

Das heute alle Familien ihre Kinder zur Schule schicken können, hat sich erst mit der Reformation langsam durchgesetzt. Die Einführung der Schulpflicht war dabei zunächst eine Angelegenheit der protestantischen Fürsten- und Herzogtümer, während sie sich in katholischen Herrschaftsgebieten erheblich später durchsetzte. Um Glauben und Frömmigkeit in der Bevölkerung fest zu verankern sowie den Gehorsam gegenüber der Obrigkeit einzuüben, sollten alle (männlichen) Kinder zur Schule gehen und die christliche Lehre statt wie bisher in lateinischer Sprache auf Deutsch vermittelt bekommen.

Einführung der Schulpflicht

Herzog August der Jüngere (1634-1666) von Braunschweig-Wolfenbüttel, der Enkel von Julius, war ebenfalls von dem Gedanken einer allgemeinen Volksbildung überzeugt. August ließ schon 1636/37 an der Universität Helmstedt eine Schulordnung ausarbeiten, die im Kerngebiet Braunschweig-Wolfenbüttels 1647 und im Gandersheimer und Holzminden-Stadtoldendorfer Gebiet nach Beendigung des Dreißigjährigen Krieges (1618-48) 1651 in Kraft trat. Trotz vieler Probleme nahm die Anzahl der Schulen auch auf dem Land in der Folge zu. Mit Einführung dieses Schulpflichtgesetzes bekamen auch die „Schul- oder Opferleute“, wie die Lehrer genannt wurden, mehr Geld. Für alle Kinder musste auch dann Schulgeld bezahlt werden, wenn sie abwesend blieben. In den Fürstentümern Göttingen, Calenberg und Grubenhagen wurde zwar 1650 ebenfalls eine Schulordnung für die Katechismuslehre eingeführt, aber die wiederholten Reformversuche zeigen an, dass sie sich kaum durchsetzen konnte. Erst 1734 mit der Einführung stärkerer Kontrollen breitete sich auch hier das Schulsystem aus.

Die Odagser Schule wird in der Kirchenchronik 1607 erwähnt und 1714 wird das erste Schulhaus gebaut, was aber gleichzeitig Wohnung und Wirtschaftsraum vom Lehrer war. (siehe dazu Die Odagser Schulgebäude)

Die Bedingungen fürs Lernen gestalteten sich weiterhin schwierig, Finanzierung und Kontrolle verblieben lange in der Hand der Kirchengemeinden, die selbst kaum Geld hatten und an einem allgemeinen Bildungsauftrag kaum interessiert waren. An der Klosterschule Holzminden, die vom Kloster Amelungsborn hierhin verlegt worden war, scheiterten die Pädagogen Joachim Heinrich Campe, Johann Struve und Ernst Christian Trapp um 1790 mit ihren Bemühungen, Kirche und Schule zu trennen. Erst mit der Gründung der Weimarer Republik vollzog sich die Trennung auch in Südniedersachsen endgültig,

Klassengrößen

Vor allem die Größe der Klassen war bis in die 1950er Jahre des 20. Jahrhunderts ein großes Problem für die Lehrkräfte. Klassenstärken von bis zu 120 Schülern wurden im 18. Jahrhundert als normal angesehen, zum Teil waren aber deutlich mehr Kinder in einem Raum. Noch Ende des ‚Jahrhunderts wurde im 1896 erschienenen Minimal-Lehrplan des Herzogtums Braunschweig eine Klassenstärke von 70 Schülern als tragbar bezeichnet. Die Situation verschärfte sich nach dem Zweiten Weltkrieg mit der Zuwanderung der Flüchtlinge noch einmal, bevor sich die Zahl der Kinder pro Klasse in den Volkschulen durch Neubauten, mehrzügige Klassenaufteilungen und Lehrereinstellungen sowie entsprechende Verordnungen entspannte.

Wer hier in Odagsen zur Schule ging, kann sich (wie der Verfasser dieser Zeilen) daran erinnern, dass die erste Klasse separat beschult worden ist, die Klassen 2 – 4 jedoch in einem einzigen Raum unterrichtet wurde. Bei den Fächern „Rechnen“ und „Schreiben“ wurde jede Klasse getrennt unterrichtet. In Fächer aber wie „Sport/Turnen“ und „Singen“ aber alle Schüler gemeinsam.

 

Die sog. Fakten stammen aus dem Buch "Kleine Landeskunde Sudniedersachsens"