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Gemeinheitsteilungen und Verkoppelungen
Die Neuordnung der Gemeinheiten
Im 19. Jahrhundert wurden im Königreich Hannover die gemeinschaftlich genutzten Flächen – die sogenannten Gemeinheiten oder Marken – schrittweise aufgeteilt und privatisiert. Hintergrund dieser Reformen war die Überzeugung, dass eine moderne Landwirtschaft nur mit klar abgegrenztem Privateigentum und besser nutzbaren Flächen möglich sei. Frühere Reformversuche des 18. Jahrhunderts waren meist daran gescheitert, dass alle Beteiligten zustimmen mussten und viele Bauern ihre traditionellen Nutzungsrechte nicht aufgeben wollten.
Mit den neuen Teilungsordnungen änderte sich dies grundlegend. Nun genügte eine Mehrheit der Berechtigten, um ein Verfahren einzuleiten. Besonders nach den wirtschaftlichen Krisen der napoleonischen Zeit wuchs die Bereitschaft vieler Dörfer, ihre Gemeinheiten aufzuteilen. Übernutzung der Weideflächen, Bevölkerungswachstum und zunehmende Armut verstärkten den Druck auf die alten gemeinschaftlichen Wirtschaftsformen.
Im Königreich Hannover wurden seit den 1820er Jahren nach und nach eigene Teilungsordnungen für die verschiedenen Landesteile erlassen. Schließlich verband man Gemeinheitsteilung, Ablösung feudaler Lasten und die Zusammenlegung verstreuter Grundstücke zunehmend miteinander. Mit dem Verkoppelungsgesetz von 1842 entstand eine einheitlichere Grundlage für diese umfassende Neuordnung der Landwirtschaft.
Vermessung, Planung und neue Grenzen
Die Durchführung einer Gemeinheitsteilung war ein aufwendiger Verwaltungsprozess. Nachdem ein Dorf oder mehrere Gemeinden eine Teilung beantragt hatten, wurden zunächst Vermessungen vorgenommen und Karten erstellt. Dabei erfasste man die bestehenden Besitzverhältnisse, Wege, Wiesen und Böden sehr genau. Gleichzeitig wurden die Flächen nach ihrer Qualität bewertet.
Besonders wichtig war die Planung neuer Wege und Entwässerungsgräben. Viele Heide-, Moor- und Niederungsgebiete konnten nur durch systematische Entwässerung landwirtschaftlich sinnvoll genutzt werden. Die Teilungen führten deshalb nicht nur zu neuen Eigentumsverhältnissen, sondern veränderten auch das Landschaftsbild nachhaltig.
Zunächst erfolgte die sogenannte Generalteilung. Dabei wurde festgelegt, welchen Anteil jede Gemeinde an der bisherigen Gemeinheit erhielt. Gerade dort, wo mehrere Dörfer dieselben Flächen genutzt hatten, entstanden häufig langwierige Streitigkeiten über Grenzverläufe und Nutzungsrechte. Erst jetzt entstanden in vielen Regionen feste Gemeindegrenzen mit Gräben, Wällen und Markierungen.
Ein Teil der Gemeinheitsflächen fiel an den Staat. Diese Gebiete wurden häufig aufgeforstet oder später für neue Siedlungen genutzt. Viele heutige Staatsforsten in Niedersachsen gehen auf diese Teilungen zurück.
Die Aufteilung unter den Bauern
Nach der Verteilung zwischen den Gemeinden folgte die sogenannte Spezialteilung. Dabei wurden die verbliebenen Flächen an die einzelnen Berechtigten verteilt. Jeder Beteiligte sollte Land im Wert seiner bisherigen Nutzungsrechte erhalten.
In Hannover orientierte sich die Aufteilung meist am Viehbestand der einzelnen Höfe. Dafür rechnete man unterschiedliche Tierarten in sogenannte „Kuheinheiten“ um. Je nach Bodenqualität konnte eine solche „Kuhweide“ unterschiedlich groß sein. Auf schlechten Böden benötigte eine Kuh wesentlich mehr Fläche als auf fruchtbaren Standorten.
Teilweise spielten auch die traditionellen Höfeklassen oder die Steuerleistung eine Rolle. Größere Bauern erhielten entsprechend größere Anteile, während kleinere Stellen oft nur geringe Flächen bekamen.
Die landarme Bevölkerung profitierte nur eingeschränkt von den Teilungen. Brinksitzer, Häuslinge und Heuerleute hatten häufig keine offiziellen Nutzungsrechte an den Gemeinheiten. Dennoch wurden sie in manchen Dörfern bei der Verteilung berücksichtigt und erhielten kleinere Landstücke. Dadurch konnten zumindest einige dieser Familien ihre wirtschaftliche Lage verbessern und mussten nicht vollständig zu landlosen Tagelöhnern werden.
Viele Bauern verkauften später abgelegene oder schwer nutzbare Flächen wieder, oft um Ablösungskosten bezahlen zu können. Diese Gebiete wurden häufig von kleineren Siedlern urbar gemacht, wodurch neue verstreute Wohnplätze und kleine Kolonien entstanden.
Veränderungen der Landschaft
Die Gemeinheitsteilungen veränderten das Erscheinungsbild der Landschaft nachhaltig. Neue Grenzgräben und Wallhecken entstanden, besonders in den Geest- und Moorgebieten. Diese mit Büschen und Bäumen bepflanzten Wälle dienten als dauerhafte Besitzgrenzen und prägten vielerorts das Landschaftsbild bis in die Gegenwart.
Gleichzeitig begann die systematische Kultivierung vieler bisher wenig genutzter Heide- und Moorflächen. Neue Höfe, Schafställe und kleinere Kolonien entstanden außerhalb der alten Dörfer. Zeitgenössische Beobachter beschrieben diesen Wandel als tiefgreifenden Umbruch der traditionellen Heidelandschaft.
Allerdings verschwanden viele der neu entstandenen Wallhecken im 20. Jahrhundert wieder, als die Landwirtschaft zunehmend mechanisiert wurde und größere Felder bevorzugt wurden. Dennoch sind diese Strukturen in Teilen Niedersachsens bis heute sichtbar.
Die Verkoppelung der Felder
Mit der Aufteilung der Gemeinheiten allein war die Neuordnung der Landwirtschaft noch nicht abgeschlossen. Viele Bauern besaßen ihre Äcker weiterhin in zahlreichen kleinen und über die gesamte Feldmark verstreuten Parzellen. Diese Zersplitterung verursachte erhebliche Arbeits- und Zeitverluste.
Die Verkoppelung sollte deshalb die verstreuten Grundstücke zu größeren, zusammenhängenden Flächen zusammenführen. Dafür mussten zunächst sämtliche Besitzverhältnisse genau erfasst werden. Gleichzeitig wurden die Böden nach ihrer Qualität eingestuft, damit jeder Bauer bei der Neuverteilung gleichwertige Flächen erhielt.
Anschließend plante man neue Wege und Entwässerungssysteme. Ziel war es, dass jeder Bauer seine Felder direkt erreichen konnte und nicht mehr über fremdes Land fahren musste. Auch die Entwässerung der Äcker und Wiesen spielte eine wichtige Rolle.
Bei der Neuverteilung achtete man darauf, möglichst große und zusammenhängende Grundstücke zu schaffen. Gleichzeitig sollte die Entfernung der neuen Flächen vom Hof möglichst gering bleiben. Bereits bestehende größere Besitzblöcke wurden nach Möglichkeit erhalten.
Widerstände gegen die Verkoppelung
Obwohl die Nachteile der alten zersplitterten Flur bekannt waren, stießen die Verkoppelungen vielerorts auf Widerstand. Viele Bauern hingen stark an ihren überlieferten Grundstücken und misstrauten Veränderungen. Zudem wussten sie aus Erfahrung genau, welche Eigenschaften ihre einzelnen Äcker besaßen.
Die Verhandlungen zogen sich deshalb oft über viele Jahre hin. Häufig mussten Teilungspläne mehrfach geändert werden, bevor alle Beteiligten zustimmten. Erst danach konnte die eigentliche Neuverteilung der Felder abgeschlossen werden.
Langfristig führten Gemeinheitsteilungen und Verkoppelungen jedoch zu einer grundlegenden Modernisierung der Landwirtschaft im Königreich Hannover. Die neuen Besitzstrukturen ermöglichten eine intensivere Bewirtschaftung, verbesserten die Erträge und schufen die Voraussetzungen für den Übergang zu einer stärker marktwirtschaftlich orientierten Landwirtschaft.
In Odagsen gab es auch einmal einen "Kriegerverein". Kriegervereine waren organisierte Vereinigungen ehemaliger Soldaten, die sich vor allem im 19. Jahrhundert in Deutschland bildeten. Sie fungierten zunächst als soziale und gottesdienstliche Gruppen zur Pflege der Kameradschaft, würdigen militärische Traditionen und organisierten Bestattungen bedürftiger Kameraden. Mit der zunehmenden politischen Politisierung und der Ausprägung der Arbeiterbewegung gewannen sie auch eine politische Komponente: Sie dienten teilweise der Abwehr sozialer Strömungen, insbesondere der Sozialdemokratie, und standen unter Druck von Regierung und Öffentlichkeit.
DIeser Auszug aus der Einbecker Morgenpost vom August 2001 stammt aus der Sammlung von Albert Sölter. Weiter ist den Aufzeichnungen nur zu entnehmen, das die genannte Fahne auf dem Dachboden der ehemaligen Dorfschule gelegen hat und durch Mäuseverbiss erheblich beschädigt worden ist. Vermutlich wurde diese dann entsorgt.











