Vor einhunderttausend Jahren war das Land fast menschenleer, es herrschte Eiszeit, und Gletscher waren von Skandinavien weit nach Mitteleuropa vorgedrungen

Jede Eiszeit verlief so: Die Temperaturen gingen erheblich zurück. In Nordeuropa taute jahrtausendelang der im Winter gefallene Schnee im Sommer nicht mehr und wurde zu Eis verfestigt. Allmählich setzten sich die Eismassen als Gletscher in Bewegung und drangen nach einigen Jahrtausenden bis an den nördlichen Rand der Mittelgebirge vor. In der Nähe der Gletscher war es so kalt, dass dort keine Bäume mehr wuchsen. Nur ganz spärliche Vegetation bedeckte Berge, Hügel und Täler. Unsere heutigen Waldbäume konnten nur in kleinen Gebieten am Mittelmeer überdauern.

In den kühlen Sommern taute ein Teil des Gletschereises auf. Steine, Sand und noch feinere Gesteinsbestandteile wurden vom Schmelzwasser ins Vorfeld der Gletscher transportiert. Dort floss sehr viel Wasser in westliche Richtung ab. Wenn es im Herbst wieder kalt wurde und der Schmelzwasserstrom versiegte, trockneten die Ablagerungen vor den Gletschern aus. Grober Schotter und Sand blieben in den Flussbetten liegen. Kalte Winde, die vom Eis aus nach Süden wehten, nahmen vor allem den feinen Staub mit sich. Er legte sich auf die Berge, besonders aber in die Senken dazwischen. Man nennt Früchten diesen feinen Staub Löss.

Als es am Ende der letzten Kaltzeit vor ca. 10.000 Jahren wärmer wurde und Wälder das Land überzogen, suchten Rentiere, Wildpferde und andere eiszeitliche Großsäuger günstigere Lebensräume. Sie zogen dorthin, wo es noch offene Grasländer gab, beispielsweise in die Tundren Nordeuropas. Einige Jäger folgten ihnen, andere blieben im Land. Dort lebten sie vor allem an Gewässern. Sie fischten, machten Jagd auf Vögel und sammelten Pflanzen sowie Pilze.

Die Wälder bestanden zuerst hauptsächlich aus Birken und Kiefern. Im Unterholz machten sich Haselbüsche breit. Man vermutet, dass Menschen damals Haselnüsse in den Boden steckten, um Haselbüsche wachsen zu lassen und später die nahrhaften Nüsse einsammeln zu können. Vor etwa 8000 Jahren bildeten sich Eichenwälder. In ihnen gab es auch weitere Laubbäume: Ulmen, Linden, Eschen und Ahorn. Später kamen noch Buchen hinzu, die heute in vielen Wäldern vorherrschen. Im Harz breiteten sich auch Fichten aus. Der Harz ist das einzige Mittelgebirge weit und breit, in dem von Natur aus viele Nadelbäume wachsen - ebenso wie in Nord- und Osteuropa oder auch in manchen süddeutschen Gebirgen.