Wir begegnen in den Berichten römischer Schriftsteller um die Zeitenwende an häufig Nachrichten über Germanien. Die Namen einzelner Volksstämme treten auf, und wir erfahren, dass in der beginnenden Eisenzeit die Ausdehnung der Germanen nach Osten, Westen und Süden beginnt. Dabei verdrängen sie bei uns die Kelten etwa um 600 v. Chr., von denen Reste als Leute minderen Rechts hier sitzengeblieben sind. Mit ihnen hat sich u. a. der Name „Leine·' bei uns erhalten.

Der germanische Stamm, der unser heutiges Südhannover besetzte, sind die Cherusker. Aus der kulturellen Gleichheit mit hessischen Siedlungen wird erkenntlich, dass in der Cheruskerzeit einflussreiche Beziehungen zu den Hessen bestanden haben und dass unser Gebiet Grenzland war. In der Zeit um 200 v. Chr. wird die cheruskische Bevölkerung von den Sachsen überschichtet, die einwandern und sich zu Herren machen. In unserer Gegend bis zur Sprachgrenze bei Hann. -Münden sind die Sachsen erst nach dem Siege bei Ronnenburg im Jahre 531 vorgedrungen. Bis dahin muss in Südhannover über die Cherusker eine thüringische Herrschaft ihren Einfluss ausgeübt haben durch die in diesem Gebiet wohnenden Katten. An diesen Zeitabschnitt erinnern die Bezeichnungen Kattensteg, Kattenstein usw. In der Moringer Forst heißt heute noch ein Distrikt „Am Kattenstein.". Die Beziehungen nach dem Süden sind also doppelt, einmal zu den Hessen, zum andern zu den Thüringern. Sie haben ihren bleibenden kulturellen Ausdruck gefunden in der bis heute entwickelten Form des Bauernhauses in Südhannover, das eine Zwischenform zwischen dem sächsischen und dem hessisch -fränkischen darstellt. Es ist anzunehmen, dass in der vorstehend geschilderten Zeit eine Siedlung bereits bestanden hat. Die Voraussetzungen dazu waren gegeben: In dem leicht zu bestellendem Löß­ und Lehmboden fand der Siedler fruchtbares Land, auch das notwendige Wasser war vorhanden. Die in der Feldmark gemachten Funde bestätigen unsere Annahme.

Die Römer konnten nicht Fuß fassen

Um Christi Geburt und noch im 3. Jahrhundert nach Christus versuchten die Römer, ihren Einflussbereich vom Rhein aus nach Norden und Osten auszudehnen. Mehrfach drangen sie weit in das freie Germanien vor, auch ins südliche Niedersachsen. Bei Hedemünden und am Harzhorn bei Kalefeld fand man Hinweise auf römische Vorstöße. Aber die Römer konnten sich nicht dauerhaft durchsetzen.