Da, wo vier Kilometer südlich von Einbeck die Aue sich der Rebbe zugesellt, um mit ihr vereint dem Ilmetal zuzustreben, liegt eingebettet zwischen sanften, waldlosen Hügeln das Dorf Odagsen in einem an landschaftlichen Reizen zwar armen, aber landwirtschaftlich umso wertvolleren Umgebung. Siedlungen aus der jungstein- und eisenzeitlichen, sowie germanischer Epoche und das Vorkommen eines 5000 Jahre alten Grabfeldes sind nachgewiesen. Schon vor über fünf Jahrtausenden haben sich Menschen also in der Jungsteinzeit im Bereich des heutigen Dorfes angesiedelt. Auf einem Acker wurden bei Grabungen mehrere Totenhütten freigelegt die zwischen 1981 und 1984 eingehend untersucht wurden.

Odagsen liegt 132 m ü.N.N. und umfasst eine Gesamtfläche von 341 ha. Der Boden besteht aus 80% Lößlehm und zu 20% aus schweren stark mit Ton durchsetztem Lehm. Dieser Boden ist eine gute Voraussetzung für den Rüben- und Weizenanbau. Das Grünland ist gering und wird aus den Leinewiesen geholt. Waren es vor und kurz nach dem Kriege noch 70% der Bewohner in der Landwirtschaft beschäftigt, so nahm dieses ab, wie im gleichen Tempo die Industrialisierung zunahm. Heute sind es nur wenige landwirtschaftliche Betriebe, die mit der Familie oder auch in Betriebsgemeinschaften den Hof unterhalten.

Das Wappenbild der Gemeinde Odagsen nimmt Bezug auf das Tympanon in der alten Dorfkirche des Ortes. Ein Wappenschild zeigt auf rotem Grund ein romanisches Blattwerk ausgefülltes, gleichschenkliges goldenes Kreuz auf einem goldenen Schaft aus Flechtwerk. Links und rechts daneben befinden sich zwei mit lilienförmigen Spitzen versehene goldene Flechtwerkstäbe, die je auf einem von einer Ranke verzierten Halbkreis stehen.

 Von der ersten Kirche von 1183 zeugt nur noch ein alter Steinerner Torbogen, der in der heutigen Kirche eingebaut wird, das sogenannte bereits erwähnte „Tympanon“. Ein vorhandenes geschichtliches Naturdenkmal ist die Luther-Eiche am Dorfausgang zu Immensen. Sie wurde am 10. November 1883 anlässlich der 400. Wiederkehr des Geburtstages Martin Luthers gepflanzt. Eine Linde, die anlässlich nach dem Frankfurter Friedensschluss (1871) und die Eiche, die anlässlich der 100 Jahrfeier der Völkerschlacht bei Leipzig gepflanzt wurden, sind eingegangen. In der Kirche befinden sich als weitere Sehenswürdigkeiten eine Meyer-Orgel aus dem Jahren 1860/1862 die 2017/18 aufwändig restauriert worden ist, sowie ein ca. 300 Jahre alter Taufengel.

Das Dorf Odagsen ist nach Aufzeichnungen aus der hiesigen Kirchenchronik schon in der Zeit Karls des Großen gegründet. Odagsen wird das erste Mal erwähnt in den Urkunden des Klosters Corvey für den Bereich der Jahre 826 – 876. Dabei wird Odagsen als „Osdageshusen“ bzw. „Osdageshusun“ erwähnt (Erste Urkundliche Erwähnung). Dieser Name beinhaltet die Bezeichnung eines belehnten Adeligen des Grafen Osdag. Graf Osdag, ein Sohn des Stifters des Klosters Amelungsborn, siedelte sich hier an und errichtete in der Nähe einer verfallenen Holzkapelle eine Ansiedlung, bestehend aus einem einzigen Hofgebäude und nannte es "Osdageshusen“. Die Bezeichnung „husen“ bedeutet im Niederdeutschen etwa „bei den Höfen“. Die Holzkapelle erbaute der Mönch Pancratius im neunten Jahrhundert. Es kann angenommen werden, daß der "Willesche Hof" der erste und älteste Hof in Odagsen ist. Auch die Lage des Hofes spricht dafür, denn der Hof ist an hoher und übersichtlicher Stelle erbaut, die auch leicht gegen äußere Angriffe verteidigt werden konnte. Die erste steinerne Kirche ist im Jahre 1183 erbaut worden und es ist anzunehmen, daß der Besitzer des Hofes auch der Erbauer dieser Kapelle war, da sie sich nahe bei diesem Hof befindet.

Weitere Anwesen siedelten sich später an, die dem Stift St. Alexandri zinsverplichtet waren.

Im Jahre 1413 wurde die Kirche zur selbständigen Pfarrstelle erhoben und 1476 erfolgte die Einverleibung in das Stift St. Alexandri zu Einbeck. Von 1413 bis heute haben 34 Geistliche die Pfarrstelle verwaltet. Von den Predigern verdient Wittekindus Schale (1542 bis 1564) ganz besondere Erwähnung, weil er die Reformation in Odagsen einführte. Schale ist somit der erste lutherische Pastor in Odagsen.  In der Chronik der Kirche wird der Kirchbau (Von 1750 – 1752 wurde dann die alte Kirche abgerissen und die jetzige Kirche gebaut), die Geschichte um die Glocken, die Uhren und den Taufstein, sowie der Bau der Pastorenhäuser näher beschrieben und ist an entsprechender Stelle nachzulesen. Die Gemeinden Immensen und Edemissen gehören zum hiesigen Kirchspiel. Edemissen und Immensen besitzen keine Kirche. Ab 1.November 1997 hat zum ersten Mal die Odagser Kirche keinen ortsansässigen Pastor. Auch hier ist im Zuge der Kirchenreform Sparmaßnahme getroffen worden, sodass ein Pastor zwei Gemeinden zu versorgen hatte. Seit dem Jahr 2011 gehört Odagsen zur Kirchengemeinde Iber-Odagsen die durch den Zusammenschluss der Kirchengemeinde Iber und der Kirchengemeinde Odagsen entstanden ist. Sie umfasst die sieben Dörfer Buensen, Dörrigsen, Edemissen, Iber, Immensen, Odagsen und Strodthagen.

Später wurden Höfe zu anderen verschiedenen Klöstern zinsverpflichtet. So zahlte der Hof Wille ans Kloster Fredelsloh, der Hof Illemann an Kloster Amelungsborn, Warnecke und Heise an St. Alexandri.

Um diesen alten Stamm der größeren Höfe haben sich dann nach und nach die sogenannten Groß- und Kleinköthner gereiht. Über die Köthnerhöfe sind keine Aufzeichnungen vorhanden. Am 5. Mai 1807 brach im Hirtenhaus ein Brand aus, der binnen weniger Stunden 12 Wohnhäuser und 8 Nebengebäude in Asche legte.

Hier ging wahrscheinlich auch das Archiv in Flammen auf. Auf Grund dieses Brandes veränderte sich das Dorfbild. Man baute weit auseinander und verbreiterte Straßen, um zu verhüten, daß bei weiteren Brandausbrüchen die Gefahr einer Ausbreitung nicht gegeben werden konnte.

Einige dürftige Nachrichten aus der Zeit des 30-jährigen Krieges besagen jedoch sehr deutlich, daß dieser Krieg auch in der hiesigen Gemeinde schreckliche Verwüstungen angerichtet hat. Im Jahre 1627 ist der ganze Ort, nur mit Ausnahme der Kirche und des Pfarrhauses, niedergebrannt. In den Kriegswirren und der Belagerung Einbecks hatten Soldaten alles zum Verderben gebracht. Da die Not in Odagsen damals sehr groß war, manche Familie ausgerottet oder vertrieben wurde, hatte es zur Folge, daß die Übriggebliebenen und fremd zugewanderte Personen sich fremde Äcker, verlassenes Gut aneigneten und es als ihr Eigentum betrachteten. Nur allmählich vollzog sich der Wiederaufbau und geordnete Verhältnisse wurden geschaffen und lange nach Friedensschluss gab es noch verwüstete Bauernhöfe.

Auch der siebenjährige Krieg und die französischen Truppen unter Napoleon trugen durch Einquartierung, Kriegssteuer, Zwangsabgaben und Plünderungen dazu bei, daß Schicksals-schläge nicht ausblieben. Desgleichen wurde die Bevölkerung von Epidemien, wie Pest, Cholera und Blattern, Seuchen bei den Tieren, nicht verschont. Weitere Not wurde hervorgerufen durch die Gewalt der Natur, Hagelschlag, orkanartige Stürme, Überschwemmung und harte Winter trugen dazu bei.

Mit der Einführung der Standesämter 1872/73 musste Odagsen bis zum 1. Oktober 1874 mit der Einrichtung warten. Der erste Standesbeamte war der Bauermeister Warnecke.(Das Odagser Standesamt und die Standesbeamten)

Bei der Einnahme durch die Amerikaner am 10. April 1945 geriet das Dorf infolge des Beschusses an 5 Stellen in Brand. Dabei kamen Scheunen und Stallungen zu Schaden.(Das Ende des 2. Weltkriegs in der Region)

 Die Odagser Mühle war früher eine herrschaftliche vom Amte Rotenkirchen konzessionierte Erbenzinsmühle, die nur den bäuerlichen Bedarf an Mahlerzeugnissen von Odagsen bearbeiten durfte. Sie wurde durch einen künstlich angelegten Stau der Rebbe angetrieben. Mit neun weiteren Gemeinden gehört Odagsen mit der Holzberechtigung zu der Forst-genossenschaft Landmannsholz im Grubenhagener Forst. Aus dem damaligen Forstregister geht hervor, daß die Berechtigten ohne Gegenleistung wie Anweisegebühren, Pflanz- und andere Kulturdienste das Holz schlagen konnte. Heute sind die Bauern Grundeigentümer und stehen unter dem Gemeindeforstgesetz.

Die Trinkwasserversorgung erfolgte durch hauseigenen oder Gemeindebrunnen bis Ende der 50er Jahre. Odagsen war nicht an der sogenannten Vorkriegsversorgung angeschlossen.

Im Jahre 1965 kam es zur Gründung des Wasserbeschaffungsverband "Landmannsholz" und gleichzeitig zur Lieferung von Trinkwasser aus den Brunnen in der Dörrigser Gemarkung "Landmannsholz". Dieser Verband wurde 1990 aufgelöst. Da weitere Ortschaften dazukamen reichte die Wassermenge ab 1965 nicht mehr aus, auch andere Gründe wurden genannt, und die Stadt Einbeck lieferte nun gemischtes Wasser nach Odagsen.

Anfangs dieses Jahrhunderts kam im Zuge der Elektrizitätsbeschaffung Einbecks die elektrische Stromversorgung nach hier und der Energieträger "Gas" wurde 1996 installiert, nachdem sich über 50% der Haushalte hierfür ausgesprochen hatten.Seit Januar 2020 haben die Hauhalte auch über einen Göttinger Anbieter schnelles Internet bekommen. Innerhalb der Selbständigkeit der Gemeinden fand man auch hier Geschäfte, Dienstleistungs- und Gewerbebetriebe, sowie Standesamt (Auflösung zum 01.02.1971). Die Landwirtschaft und Mühle wurde schon erwähnt, die Spar- und Darlehenskasse , später Sparkasse und Volksbank als Geldinstitute, Post, Schmiede, Tischlerei, Stellmacher und Sattler und Kaufmannsladen, 2 Gaststätten, Bäckerei und Frisör und nicht zu vergessen sind die Hausschlachter.

Die Schule wird in der Kirchenchronik 1607 erwähnt und 1714 das erste Schulhaus gebaut, was aber gleichzeitig Wohnung und Wirtschaftsraum vom Lehrer war. Eine Erweiterung des Schulgebäudes erfolgte 1834 und wurde bis 1950 benutzt. Die Schülerzahl erhöhte sich ständig, so daß ein Zweischicht-unterricht, vormittags die Großen, nachmittags die Kleinen, erfolgte. Dieses war eine Notlösung bis 1950. Dann sah sich die Gemeinde gezwungen, ein neues Schulgebäude zu bauen. Die Finanzierung konnte nur mit Hilfe von Spenden und Vorfinanzierungen einiger Einwohner durchgeführt werden, da Stadt und Land nicht ausreichende Gelder zur Verfügung stellten. Die Grundsteinlegung fand 1949 statt und der Unterricht konnte dann 1950 in drei getrennten Klassen durchgeführt werden. Durch sinkende Schülerzahlen kam dann auch für die Odagser Schule 1974 das "Aus" und die Schüler der Grundschule fuhren zur Schule nach Drüber und die anderen Schüler zu den weiterführenden Schulen nach Einbeck. Danach wurde die Schule zum Dorfgemeinschaftshaus umgestaltet.

Für die sportlichen Aktivitäten, hauptsächlich Tischtennis und Gymnastik lag nun eine Notwendigkeit zur Erweiterung der Sportstätten vor, da die bisherigen Plätze nicht mehr den Erfordernissen entsprachen. Eine Sporthalle konnte wiederum mit viel Eigenleistung, eigenen Mitteln, Zuschüsse von Stadt und Landkreis erstellt werden. Im unteren Bereich der Sporthalle liegt der Spielplatz, Garagen mit einem Zeltvordach und der Grillhütte gliedern sich an. Seit 1990 steht in unmittelbarer Nähe der alten Schule das Feuerwehrgerätehaus, da die bisherige Garage den Anforderungen der heutigern Technik nicht mehr entsprach.

Die Einwohnerzahl hat sich von 1911 mit 365 und heute mit ca. 340 Personen nicht wesentlich verändert. In der Nachkriegszeit erhöhte sich durch Zustrom von Ausgebombten und Flüchtlingen die Anzahl auf nahezu 750 Personen. Durch Verkauf von Privatland konnte die Gemeinde Baugebiete ausweisen, die auch angenommen wurden. Die "Neue Reihe" und "An der Hechel" gehören zu diesen Gebieten, die auch "neue" und "alte" Siedlung genannt werden, auch Baulücken wurden geschlossen.

Bevor die endgültige Gebietsreform im Jahre 1974 eingeführt wurde, fand für vier Ortschaften, darunter auch Odagsen, die Eingliederung schon am 01.02.1971 zur Stadt Einbeck statt. Hierbei sind diesen Gemeinden einige Vorteile erwachsen. Ehrenamtliche Ortsvorsteher, Gemeindedirektor oder Bürgermeister führten die selbständige Gemeinde und heute den Ortsteil der Stadt Einbeck.